eculturebase.com/Rezension/Europäisches Theater auf slowakischer Bühne

Autorin: Barbara Brathová
Das Ende der Spielzeit 2025/2026 brachte an den Bratislavaer Theatern mehrere markante Premieren hervor, die mit unterschiedlichen Poetiken auf gesellschaftliche Spannungen, Macht, Gewalt und die Fragilität zwischenmenschlicher Beziehungen reagieren. Die Inszenierung Der Kaufmann von Venedig/Mauser in der Regie von Dávid Paška verbindet Shakespeares Klassiker mit dem Text von Heiner Müller zu einer bildlich, klanglich und schauspielerisch intensiven Aussage über Mitgefühl, Gerechtigkeit und die Grausamkeit, die durch ein System legitimiert werden kann.
Das Ende der Spielzeit 2025/2026 brachte an den Bratislavaer Theatern eine Reihe von Premieren zu gesellschaftlich appellativen und zeitlosen Themen hervor, die mit Schrecken andeuten, dass sich im menschlichen Verhalten und Handeln über die Jahrhunderte hinweg gar nicht so viel verändert hat. Starke Titel wie Bei den Katzenmooren am Slowakischen Nationaltheater, Bang am Theater Aréna, auf einer etwas anderen, leichteren Ebene Amateure am Slowakischen Nationaltheater – die Rezensionen dazu haben wir auf diesem Portal veröffentlicht – und schließlich die letzte Premiere der Spielzeit am DPOH, Der Kaufmann von Venedig/Mauser, deuten auf gefährliche und zugleich notwendige Weise an, dass, metaphorisch gesprochen, "etwas faul ist im Staate Dänemark".
Die Inszenierung des erfolgreichen slowakischen Regisseurs der aufstrebenden Generation Dávid Paška, die am 20. Juni 2026 am Theater Pavol Országh Hviezdoslav Premiere hatte, verbindet zwei markante Texte – Der Kaufmann von Venedig und Mauser – auf der Grundlage des gemeinsamen Themas von Mitgefühl und Vergebung angesichts kompromissloser und schwer lösbarer Dilemmata.